Planung und Bau einer zentralen Wärmeversorgung - zu 85% mit Holzhackschnitzeln St.Ottilien 2007 und 2008


Kurzdarstellung von Br. Josef Götz

Durch die Umstellung der Wärmeversorgung ist der Ausstoß an Kohlenstoffdioxid in St. Ottilien innerhalb eines Jahres auf 15% des ursprünglichen Wertes reduziert worden. Bis Sept. 2008 hat St.Ottilien jährlich 2500 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen, danach werden nur noch 375 Tonnen jährlich ausgestoßen werden.

Seit vielen, vielen Jahrzehnten wurde in St.Ottilien mit Heizöl geheizt. Die Verantwortung für die Umwelt und die gestiegenen Energiepreise haben uns dazu bewegt, den Energiebereich in St.Ottilien neu zu überdenken. Mit hoher Professionalität hat das Ingenieurbüro Ebert-Ingenieure ein unseren Wünschen und den Erfordernissen des Ortes angepasstes, beispielhaftes „Leuchtturmprojekt“ konzipiert. Zugrunde lagen die Analysen der Forschungsgemeinschaft für Energiewirtschaft e.V. . Den Auftrag für den Umbau erhielt im Oktober 2007 die Firma Imtech.
Zwischen Oktober 2007 und September 2008 wurde die Wärmeversorgung in St. Ottilien neu gestaltet. Die drei Heizungszentralen in der Schule, im Kloster und im Exerzitienhaus werden durch Wärmeleitungen vernetzt. Bisher wurde in jeder der drei Unterzentralen mit je zwei Heizkesseln geheizt, die mit Heizöl betrieben wurden. Schon in der ersten Phase der Analyse konnte man erkennen, dass sogar im Winter ein einziger der beiden Kessel ausreichend war. Die insgesamt installierte Leistung der Heizölkessel betrug 4000 kW. Tatsächlich beträgt die erforderliche Wärmeleistung bei -16 Grad Celsius ca. 2000 kW. Bei +2 Grad Celsius beträgt der Wärmebedarf ca. 1000kW (... oder 1000kWh Wärmenergie in einer Stunde).
Zwischen Landwirtschaft und Hühnerhof, nördlich von St. Ottilien, entstand bis Sept. 2008 eine neue Energiezentrale. Dort wird inzwischen ein großer Teil der Wärmeenergie mit Holzhackschnitzeln erzeugt. Alle Gebäude in St. Ottilien werden von dieser Zentrale aus mit Wärme versorgt. Ca. 85% der Wärmenergie, die über das Jahr benötigt wird, wird mit Hackschnitzeln erzeugt. In ca. zehn Jahren wird sich die Anlage amortisiert haben, wenn die Preiserhöhung bei Heizöl und bei gekauften Holzhackschnitzeln weiterhin 8% pro Jahr beträgt.
St.Ottilien besitzt genügend Waldfläche, um 40% des erforderlichen Holzes aus dem nachwachsenden Holz aus dem eigenen Wald beziehen zu können.
Parallel werden durch unsere Schreiner und Maurer zahlreiche Isolationsmaßnahmen an Fenstern und Mauern vorgenommen. Hierdurch kann Energie gespart werden und der Anteil an Energie noch erhöht werden, den wir aus dem eigenen nachwachsenden Wald erhalten. Die Energie, die mit einem Liter Heizöl erzeugt werden kann, beträgt ca. 10 kWh.
Um diese Energiemenge mit Heizöl zu erzeugen, muss man ca. 0,77€ zahlen (März 2008, inkl. MWSt).
Um diese Energiemenge mit gekauften Holzhackschnitzeln zu erzeugen, muss man ca. 0,24€ zahlen.
Um diese Energiemenge mit Holzhackschnitzeln zu erzeugen, die aus dem eigenen Wald stammen, muss man ca. 0,12€ zahlen.
In St.Ottilien werden jährlich insgesamt ca. 6,7 Millionen kWh an Wärmeenergie verbraucht.


Nicht-fossile Brennstoffe wie Holz sind Kohlenstoffdioxid-neutral, da das bei ihrer Verbrennung frei werdende Kohlenstoffdioxid nicht die aktuelle globale Bilanz an Kohlenstoffdioxid ändert. Die Energiemengen, die in die einzelnen Gebäude in St.Ottilien fließen, werden inzwischen durch Wärmemengenzähler genau erfasst. Auf diesem Weg wird zeitnah der Energieverbrauch in den einzelnen Teilen des Netzes verfolgt. Der Energieverbrauch kann hierdurch minimiert werden. So werden wenig genutzte Gebäudeteile elektronisch teilweise von der Heizung abgekoppelt: z.B. die Schule während der Weihnachtsferien, z.B. Teile des Gästehauses bei geringer Belegung usw.
Um die Leistungsspitzen in St.Ottilien ausgleichen zu können, dient ein mit 55 Kubikmeter Wasser auf 90 Grad erhitzter Tank als Wärmespeicher und Puffer.
Zwei Hackschnitzel-Kessel sind zum Einsatz gekommen. Der erste Hackschnitzel-Kessel mit einer maximalen Leistung von 350 kW deckt die Grundlast ab. Dieser Kessel ist auf jeden Fall von Mai bis September im Einsatz. Im Sommer beträgt die Grundlast ca. 150 kW.
Der zweite Hackschnitzel-Kessel mit einer maximalen Leistung von 700 kW übernimmt im Frühling und im Herbst die Wärmeversorgung. Im Winter sind beide Kessel mit einer Gesamtleistung von 1050 kW bis zu einer Außentemperatur von +2 Grad Celsius im Einsatz. In den maximal zwei Monaten, in denen die Außentemperatur unter +2 Grad Celsius liegt, schaltet sich ein mit Heizöl betriebener Spitzenlast-Kessel hinzu, um die Leistungsspitzen abzudecken. Ca. 85% der Gesamtenergie in einem Jahr kann mit Holzhackschnitzeln erzeugt werden, nur 15% der Gesamtenergie wird noch mit Heizöl erzeugt.


In die offenen Gräben sind ebenfalls über ein Dutzend leere Rohre gelegt worden. Anhand dieser Rohre wird schrittweise die Sanierung der Elektroversorgung, der Telefon- und der EDV-Kabel vorgenommen. Durch die Vernetzung der Wärmeversorgung in St.Ottilien wird es in einem zweiten Schritt möglich sein, weitere alternative Energien einzusetzen. Diese könnten in den nächsten Jahren umgesetzt werden, nachdem erste Erfahrungen mit der Anlage gemacht wurden und nachdem zahlreiche genau Messwerte vorliegen. Im Gespräch sind zum Beispiel eine Biogasanlage, die Nutzung von Solarenergie, der neu entdeckte Holzvergaser ... oder eine sinnvolle Kombination dieser alternativen Energiequellen.


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